Mehr Klarheit durch aufgeräumte Gedanken

Nun, nach der ersten Woche meiner Feiertagsferien, merke ich, wie sich geistig so langsam die ersten Nebelschwaden lösen. Zu viele Themen sind noch offen und zu viele Dinge nicht erledigt. Mein Geist ist unruhig und beschäftigt sich mit der Vergangenheit, dem, was hätte sein können oder bisher unerfüllten Träumen. Solange ich mich in meinem Tagesablauf befinde, funktionieren grosse Teile im #Autopilot-Modus und durch meine antrainierten #Gewohnheiten. Dabei ist es egal, ob diese nützlich oder eher hinderlich sind, sie erfüllen kontinuierlich ihren Zweck, ohne zu bewerten. Instinktiv werden Aufgaben in einer Art Matrix sortiert und zu gegebener Zeit in das Bewusstsein geschoben. Alles, was nicht zwingend nötig ist, wird in einem Zwischenspeicher für einen “besseren” Zeitpunkt gelagert – wann auch immer dieser Zeitpunkt kommen mag. Dieser Zwischenspeicher ist jedoch so ziemlich der schlechteste Ort der Aufbewahrung. Er kostet Unmengen an Energie und behindert freie Gedanken und die Entstehung von Freiheits- und Glücksgefühlen. Unser Zwischenspeicher frisst Kapazitäten Und genau hier liegt auch das Problem. Die Gedanken in diesem Zwischenspeicher verweilen nämlich dauerhaft und summieren sich zu einem immer grösseren Müllberg auf. Jede einzelne Datei aus diesem Speicher muss irgendwann in das #Bewusstsein zurückgeholt und bearbeitet werden. Eine Bearbeitung bedeutet dabei nicht zwingend das Abarbeiten, sprich das Lösen der Aufgabe. Es reicht hier bereits aus, dass wir uns bewusst mit jedem einzelnen Punkt beschäftigen müssen, um diesen aus dem Zwischenspeicher entfernen zu können. Wir können dort vorhandene Aufgaben einfach als überflüssig klassifizieren und diese somit zum Löschen freigeben. Wir können zwischengespeicherte Ideen verwerfen oder verfeinern und in eine andere #Gedankenschublade sortieren. Wir können aber auch einfach den Grill für den Winter in die Garage schieben und somit endlich eine Aufgabe abarbeiten. Unser Zwischenspeicher fungiert wie eine innere ToDo-Liste, auf der alle Aufgaben, halbfertigen Gedanken und Ideen gelagert werden. Solange sich dort eine Unmenge an Daten ansammelt, haben wir keinen freien Zugriff auf unsere Ressourcen und werden #fremdbestimmt. Für mich fühlt sich das an, als ob mir ein innerer Chef ständig ungeliebte Aufgaben auf den Tisch wirft und ich keinen Spielraum für selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten mehr habe. Obwohl dieser Dialog mit mir selbst rein innerlich in meinen Gedanken stattfindet, fühle ich mich fremdbestimmt! Erst, wenn dieser Zwischenspeicher leer oder zumindest sehr überschaubar ist, können wir also auf unser volles #Gedankenpotential zugreifen und zum Schöpfer unserer eigenen Geschichte werden. Freie Zeit zum Aufräumen nutzen In meinem Fall habe ich deshalb die erste Woche meiner Ferien dazu genutzt, mir einiger dieser Gedanken und Aufgaben bewusst zu werden und sie zu “bearbeiten”. Ich habe die Buchhaltung nachgezogen, E-Mails bearbeitet oder gelöscht, das Büro aufgeräumt, den Keller entrümpelt und in meinem Kleiderschrank für Ordnung gesorgt. Immer, wenn ich mit solchen Aufräumaktionen beginne, wird mir schnell klar, dass ich dadurch wichtigere Aufgaben vor mir herschiebe und mir so das Gefühl vorspiele, geschäftig und produktiv zu sein. Die von mir herbeigeführte physische und virtuelle Ordnung gibt mir zwar ein gutes Gefühl, ich merke aber auch, dass die eigentliche Kraft aus dem psychischen Reinemachen herrührt. Instinktiv spürt also irgendetwas in mir die Möglichkeit, freie Kapazitäten in Form von Rechenpower schaffen zu können und bringt mich mit Nachdruck zum Aufräumen. Das funktioniert so wunderbar, dass ich in kürzester Zeit, wie eine gut geölte Maschine, Punkt für Punkt abarbeite. Mit jeder erledigten Aufgabe belohnt mein Gehirn mich mit Glückshormonen und ich werde zum Weitermachen motiviert. Mit jedem Punkt, der aus dem Zwischenspeicher an einen anderen Ort verschwindet, spüre ich wie Energie und vor allem Kreativität zurückkommen. Verbleibende Aufgaben und Gedanken werden klarer und je mehr dieser innere Müllberg schrumpft, desto mehr lichtet sich auch der Brain Fog. So oder so ähnlich läuft bei vielen von uns das Jahresende ab. In den etwas ruhigeren Weihnachtstagen haben wir ein wenig mehr Zeit und die nötige Ausdauer, uns mit unserem Inneren zu beschäftigen. Sei es, weil wir durch die besinnliche Festtagsstimmung mehr Sinn in unserem Leben suchen oder, weil wir das Jahr nüchtern reflektieren möchten. Auf die ein oder andere Weise werden wir zu einer Reinigungsaktion wie dieser motiviert. 2020 ist das Lager besonders voll Für mich ist dieses Jahr jedoch etwas intensiver als gewöhnlich. Dieses Jahr spüre ich die Notwendigkeit dieses Reinigungsprozesses besonders stark. Ich möchte daher diesem Drang nachgeben und mich ganz bewusst darauf einlassen. Nachdem ich die beruflichen Verpflichtungen nach und nach beiseitegeschafft habe, dehnt sich das Bedürfnis zunehmend auch in den privaten Bereich aus. Zunächst stehen das Büro, der Keller und die Garage auf dem Programm. Allesamt physische Orte, die wie der Zwischenspeicher im Gehirn als kurz- und mittelfristige Lagerflächen dienen. Obwohl ich einige Dinge in diesen Lagern seit über zehn Jahren nicht mehr genutzt oder schon längst ein “Nachfolge-Modell” angeschafft habe, bewahrte ich dieses Zeug bisher auf. In diesem Jahr verschwinden diese Dinge. Denn durch bewusstes Reflektieren wird mir klar, dass es sich auch bei diesen Gegenständen um nichts anderes als Müll handelt, genau wie bei den sinnlos/achtlos gespeicherten Gedanken in meinen Kopf. Gelagerter Müll, der irgendwann mal einem Zweck gedient hat, nun aber nur noch Ballast für mich ist. Da ich mich damals nicht sofort damit befasst habe, landeten all diese Dinge an einem Speicherort – dort verschwenden sie Platz, kosten Energie und müssen ohnehin irgendwann entsorgt werden. Dieses Jahr wird daher auch auf der materiellen Ebene Platz und neuer #Freiraum geschaffen. "Adieu Backofen aus der Studenten WG." "Bye-bye Waffeleisen meiner ersten Freundin." "Danke und Tschüss Inline Skates, die ich mir mit 16 gekauft habe." Bei dieser äusserst befreienden Aktion entdecke ich aber nicht nur uralte “Schätze”, sondern überraschender Weise auch viele Dinge aus meiner jüngeren Vergangenheit. Ein unnötiger Ersatz-Akku für die Bohrmaschine, die X-te Winterjacke aus dem Mammut Sale und weitere Dinge, die ich erst kürzlich gekauft habe. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich bei allen Sachen um #Impulskäufe. Alles Dinge, die ich in guter Erwartung und weiser Voraussicht, meist motiviert durch den Druck irgendeines zeitlich begrenzten Rabattes, erworben habe. Auch wenn mir das ganz und gar nicht leicht fällt – um konsequent zu bleiben, landen auch diese Sachen auf dem Wertstoffhof. Und plötzlich fühle ich mich frei Ich spüre, wie ich mit jedem entsorgten Teil irgendetwas zurückgewinne. Mehr und mehr lichtet sich auch hier ein Nebel und alles erscheint klarer. Ich erhalte geistige Freiheit, Potential und weit mehr als nur Stauraum zurück. Die Konsumtheorie betrachtet soziologische, ökonomische und psychologische Ebenen des Konsums und auch ich spüre, wie ich auf unterschiedlichen Ebenen klarer werde. Diese neu gewonnene Freiheit fühlt sich gut an, richtig gut! Plötzlich schiesst mir ein Gedanke durch den Kopf: Ich erinnere mich, wie ich im September kurzzeitig alle meine aktuell fälligen Aufgaben abgearbeitet hatte. Dieses Gefühl war unglaublich und ich beschloss damals fortan alles umgehend zu bearbeiten und ohne Ballast durch das Leben zu laufen. Das war die klarste Zeit meines Lebens! Leider hat diese Phase der #Klarheit nur drei Wochen angehalten. Dann begann sich wieder Schicht um Schicht in meinem Zwischenspeicher anzusammeln und ich brauchte nun wieder viel freie Zeit, um mich diesen Sachen zu widmen. In dieser Phase ist mir besonders bewusst geworden, wie leicht man sich selbst zumüllt und behindert, wenn man Dinge nicht augenblicklich entscheidet. Entscheidet man etwas sofort, wird nichts im Zwischenspeicher gelagert. Man ist frei und hat uneingeschränkten Zugriff auf seine Ressourcen. Schiebt man jedoch etwas auf, zahlt man dafür einen Preis. Einen Preis in Form von Ressourcen bindenden und energieraubenden Lagergebühren. Was ich daraus gelernt habe? Mein Fazit ist daher recht klar: Es braucht zwar immer etwas #Zeit und Abstand vom gewohnten Tagesablauf, aber der Geist will den Zwischenspeicher aufräumen und Zugriff auf sein Potential erhalten. Dieser Kraftakt wird mit Glückshormonen belohnt, macht die Rechenpower frei und ermöglicht mir Zugriff auf meine Ressourcen. Bin ich in einem ressourcenreichen Zustand, kommen mir neue Ideen und meine Kreativität steigt. Das unbeschreiblich gute Gefühl der Klarheit und der Zugriff auf ein enormes Ressourcenpotential ist mir persönlich sehr viel mehr wert, als kurzfristige Bequemlichkeit. Zwei Regeln für mehr Klarheit Diese drei Wochen Klarheit im September waren für mich derart befreiend, dass ich süchtig geworden bin. Ich habe dieses Jahr so viel wie nie zuvor entrümpelt und mich mit meinen inneren Speichern befasst. Da ich mich kenne und einen Hang zu Extremen habe, sehe ich für mich die grosse Gefahr des Überkompensierens. Ich kann mir gut vorstellen, einige Wochen oder gar Monate penibel das Gefühl der Klarheit zu kultivieren, nur um in einem Moment der Schwäche alles über den Haufen zu werfen. Damit dies nicht passiert, habe ich die vergangenen Tage viel darüber nachgedacht, wie ich mich selbst zum Durchhalten bringen kann. Fixer Slot Ich werden mir am Ende jedes Monats einen fixen Slot einplanen, um auf materieller und geistiger Ebene bewusst einen Scan durchzuführen. Alles, was nicht erledigt, entschieden oder zwischengespeichert ist, muss dann abgearbeitet werden. Koste es was es wolle. 365 Tage Konsumverzicht Auf materieller Ebene werde ich für 365 Tage #Konsumverzicht üben! Ich verfüge über ausreichend Kleidung, habe Geschirr im Schrank und wahrscheinlich auch das ein oder andere Spielzeug zur Bespassung. Es besteht demnach keinerlei Notwendigkeit zur Anschaffung materieller Güter für die persönliche Konsumbefriedigung. Dies umfasst alle privaten Käufe für mich selbst und in Abstimmung mit meiner Frau auch alle Anschaffungen für den Haushalt. Davon ausgenommen sind Lebensmittel für den täglichen Bedarf und alle Dinge, die tatsächlich einer Neuanschaffung bedürfen. Konkret bedeutet das für mich z.B. keinen Wein auf Vorrat zu kaufen und die Socken erst zu ersetzen, wenn die Zehen herausspringen. Mein Plan mag etwas extrem erscheinen, ich sehe darin für mich aber einen Weg der Reflektion. Ein Jahr ist lang genug, um einige Höhen und Tiefen zu durchleben und auch lang genug, damit sich neue #Gewohnheiten etablieren und festigen können. Und, wie aufgeräumt sind deine Gedanken am Ende das Jahres? Versuche es doch auch einmal mit dem Aufräumen deines inneren Zwischenspeichers und erzähle mir, welche Erfahrungen du dabei gemacht hast! Ich freue mich sehr auf dein Feedback! Dein Rolf

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