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365 Tage Konsumverzicht

Aktualisiert: 3. Mai 2021


Wir leben in einer Zeit, in der wir einem ständigen Überangebot an Waren und Dienstleistungen ausgesetzt sind. Im Winter können wir frische, tropische Früchte genießen und mitten in der Nacht problemlos Klamotten im Internet bestellen. Ist unser materielles Verlangen erst einmal gestillt, gibt es darüber hinaus eine breite Palette an immateriellen Angeboten, auf die wir jederzeit zurückgreifen können. Ob Filme streamen, Fußballergebnisse verfolgen oder die aktuellsten «Breaking News» erhalten – fast jeder von uns hat heute beinahe überall die Möglichkeit, eine schier endlose Masse an Informationen zu konsumieren. Darüber hinaus vermitteln soziale Medien ein Gefühl der Zugehörigkeit und verbinden uns mit Gleichgesinnten, deren Leben wir fast live mitverfolgen, liken und kommentieren können. All diese und noch viele andere Dinge konsumieren wir tagtäglich, ohne wirklich darüber nachzudenken.


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Konsum kostet Zeit und geschieht häufig unbewusst


Konsum ist heutzutage derart mit unserem alltäglichen Leben verknüpft, dass wir häufig das Gefühl dafür verlieren, wann genau wir eigentlich konsumieren und wann nicht.

Unser «Konsum-Autopilot» lässt uns vor allem immer seltener sehen, mit welch großem zeitlichen Aufwand unser Konsum wirklich verbunden ist. Die heutige «Benchmark» dafür? Zweifellos das allgegenwärtige Smartphone. Etlichen Studien zufolge verbringt jeder von uns mittlerweile ein Drittel des Tages am Handy – Tendenz steigend. Allein für die Nutzung diverser Social-Media-Kanäle wenden wir täglich fast zweieinhalb Stunden auf. Rechnen wir dann noch unseren zusätzlichen Zeitaufwand für Lebensmitteleinkäufe, Shopping oder simples Stöbern im Internet hinzu, wird ziemlich schnell klar: Von unserer Freizeit bleibt in dieser Konstellation nicht viel übrig.


Das Verrückte dabei: Jeder von uns hätte theoretisch täglich genügend Zeit zur Verfügung. Unser 24-Stunden-Tag verteilt sich dabei auf wenige, kleine Häppchen. Die beiden Konstanten: Unsere Schlaf- und Arbeitszeit. Folgt man der unten aufgezeigten Struktur (Grafik), haben wir zudem ca. vier Stunden zur freien Verfügung. Diesen Zeitabschnitt nutzen wir nur für uns und für das, womit wir uns wirklich identifizieren. Ob ein Familienausflug, eine sportliche Betätigung oder auch ein geliebtes Hobby – die Möglichkeiten sind vielfältig und die dafür zur Verfügung stehende Zeit solltest du unbedingt nutzen!


Was all das mit #Konsum zu tun hat? Sehr viel! Denn wie schon in meinem Blogpost beschrieben, habe auch ich gemerkt, dass ich zu viele alte und unbenutzte Gegenstände aufgehoben habe und diese mir unbewusst einen Teil meiner mentalen #Kapazität raubten. Der Kauf all dieser materiellen Dinge war dabei oft nichts weiter als ein #Impuls – ohne einen richtigen Gedanken daran zu verschwenden, ob dies wirklich notwendig ist oder einfach nur aus einer bestimmten Laune heraus geschieht. Diese Erkenntnis hat mich seitdem nicht mehr losgelassen und ich habe angefangen zu hinterfragen, warum ich eigentlich so gehandelt habe.


Zwei zentrale Aspekte sind mir dabei besonders aufgefallen:


1. Achtsamkeit spart #Lebenszeit


Das bedeutet, sich nur auf den aktuellen Augenblick in all seinen Facetten zu konzentrieren. Fast jede Tätigkeit, der ich in den letzten Jahren nachgegangen bin, habe ich im «Autopilot-Modus» absolviert. Dessen war ich mir sogar bewusst und teilweise auch stolz, da ich dabei das Gefühl hatte, so dabei besonders effizient zu agieren. Tatsächlich hat mich meine fehlende #Achtsamkeit nur daran gehindert, viele schöne Momente zu genießen und bleibende Erinnerungen zu schaffen. All das hatte nur eins zur Folge: Verschwendung meiner Lebenszeit!


Konsum kostet Zeit. Wie viel – das ist mir erst so richtig durch die Auswertung meiner verschiedenen Tracking-Apps bewusst geworden. Wie weit auseinander Wunsch und Wirklichkeit in Bezug auf unser tägliches #Zeitmanagement liegen, zeige ich dir anhand folgender Grafik.


Grafik: Wieviel Zeit täglich für Konsum aufgewendet wird.

Mein Zwischenfazit:


Jeder von uns nimmt sich für das Zeit, was ihm oder ihr wirklich wichtig ist. Zwischen meiner Vorstellung davon, wie viel Zeit ich in Konsum investiert habe und der Realität lagen Welten. Mein persönliches Jahr ohne Konsum soll mir daher dabei helfen, meine Fähigkeit zur Achtsamkeit zu verbessern und mir somit zukünftig mehr bewusst erlebte Zeit ermöglichen.


2. Wer konsumiert: ich oder mein Ego?


Beim Entsorgen meiner alten Gegenstände habe ich mich gefragt: Warum besitze ich diese Dinge überhaupt? Was war der Grund für den Kauf und welches Gefühl vermittelt mir dieser Gegenstand?


Immer wenn ich etwas konsumiere, möchte ich auch einen Nutzen daraus ziehen. Dieser Nutzen kann zum Beispiel ein gutes Gefühl sein – der Konsum soll mir also dienlich sein. Doch jeder von uns lebt nach seinem eigenen #Wertesystem. Dementsprechend unterscheiden sich auch die getroffenen Konsumentscheidungen von Mensch zu Mensch.


Ich habe letztlich festgestellt, dass es bei mir eine enorme Diskrepanz zwischen meinen wirklichen Bedürfnissen und der durch den Konsum erzielten Befriedigung gibt. Zwar erfüllten die meisten Dinge für den Moment einen bestimmten Zweck – gleichzeitig wäre ein sehr viel günstigeres Produkt in fast allen Fällen völlig ausreichend gewesen. Also musste ich mir die Frage stellen: «Warum bin ich über das Ziel hinausgeschossen?» Die mögliche Antwort auf diese Frage habe ich in einem Buch gefunden, dass sich ausführlich mit dem Thema «Spiritualität» beschäftigt. Ähnlich wie bei Sigmund Freud wurde auch dort zwischen mehreren Ebenen des eigenen Ichs unterschieden.


Übertragen auf den Konsum, lautet das Beispiel aus dem Buch in etwa so:

  • Dein #Ich erkennt eine für dich bestehende Notwendigkeit: Du brauchst z.B. ein Auto um künftig zur Arbeit zu kommen.

  • Dein #Ego ist mit dieser Entscheidung einverstanden, überlagert aber dein Ich.

Hast du die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung, kaufst du dir statt eines gebrauchten Fiat Panda lieber einen neuen Mercedes mit Vollausstattung. Neben der eigentlichen Notwendigkeit stillst du damit nun auch noch deine innere Befriedigung.

Es gibt also verschiedene Ebenen meiner Selbst, die sich in mein Verhalten einmischen. Die Psychologie spricht hier von der sog. «Cathexis» – laut Sigmund Freud eine «Objektbesetzung», bei der seelische Energie mit einer bestimmten Vorstellung oder einem Gegenstand verknüpft wird. Genau hieraus entsteht echte Liebe für materielle Dinge wie Autos, Schuhe oder ähnliches. Da unser #Wohlbefinden vor allem davon abhängt, in welchem sozialen Umfeld wir uns bewegen, hilft uns die «Cathexis» auch dabei, existenzielle Fragen zu beantworten: «Wer bin ich?» «Wie wäre ich gern?» «Führe ich ein gutes Leben?»


Dass ich mir beim Entsorgen einer alten Winterjacke mal genau diese Fragen stellen würde, hat mich definitiv selbst überrascht. Als Zwischenfazit kann ich nun aber sagen: Ich bin mir dessen bewusst, dass ich mich bei meinem Konsum immer zwischen einer wirklichen Notwendigkeit und der eigenen #Bedürfnisbefriedigung entscheide. Weder den Konsum an sich noch das eigene Ego empfinde ich dabei als etwas Schlechtes. Jeder von uns ist ein Mensch mit Gefühlen und wir alle wollen uns in unserem selbst geschaffenen Umfeld wohlfühlen. Wenn ich für dieses Wohlbefinden aber meine eigene #Seelenenergie an materielle Dinge knüpfe, dann möchte ich dies zumindest bewusst tun. Zukünftig werde ich mich also fragen, ob bei einer bestimmten Kaufentscheidung mein Ich oder mein Ego das Ruder übernimmt und dank meiner neu gewonnen Achtsamkeit abwägen, wer schlussendlich am längeren Hebel sitzt.


Die Challenge Konsumverzicht – meine Sichtweise


Bis hierhin haben wir den Konsum aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und zwischen materiellem und immateriellem Konsum unterschieden. Denn nicht nur wir selbst haben verschiedene Ebenen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Auch der Konsum ist in drei Dimensionen aufgeteilt. Für meinen eigenen Konsumverzicht habe ich mir daher Fragen zu diesen Dimensionen gestellt, um meinen eigenen Weg zu finden.


Die erste Dimension ist die ökonomische Dimension. Weniger Konsum bedeutet automatisch weniger Ausgaben und mehr Geld zu unserer freien Verfügung. Auch für die ökologische Dimension ist Konsumverzicht von Vorteil – vor allem für die Umwelt, da so weniger Ressourcen benötigt werden. Beide Dimensionen sind für mich definitiv willkommene Nebeneffekte, die jedoch nicht als Treiber für meine #Verzichtsentscheidung dienen.


Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die soziale Dimension. Abhängig davon, wo wir uns gesellschaftlich bewegen, kann diese Dimension ein Gefühl von Zugehörigkeit schaffen. Zwar war beispielsweise mein Zeit-Investment in soziale Medien recht überschaubar, weshalb ein Verzicht hierbei für mich nicht wirklich zielführend wäre – jedoch werde ich den abendlichen Zeitaufwand für Netflix und Co. definitiv besser im Auge behalten und künftig stark reduzieren. Denn: Diese Zeit hätte ich definitiv besser nutzen können.


Neben der recht simplen Frage nach der verlorenen Zeit, hat mich jedoch vor allem die Komponente rund um das Gefühl der Zugehörigkeit gepackt.

Einerseits kann ich nachvollziehen, dass wir uns in unserer Gesellschaft über Gegenstände definieren – andererseits bin ich mir gleichzeitig aber auch dessen bewusst, wie traurig diese Tatsache eigentlich ist.

Sich ohne eine tolle Uhr, ein überdimensionales Auto oder teure Kleidung nicht wohlfühlen zu können, bedeutet letztlich eine deutliche Abgrenzung von unserem wahrhaftigen Ich. Damit suggerieren wir uns selbst: «Ich bin nicht genug!»


Und genau diese Einsicht war in meinem Fall der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung zum Konsumverzicht. Ich möchte dabei mein #Wertesystem und meine Verhaltensweisen «resetten», um zukünftig klar definierte und bewusste Konsumentscheidungen zu treffen. Daher verzichte ich seit Dezember 2020 auf jegliche private Anschaffungen, die darauf abzielen, ausschließlich mein Ego zu befriedigen. Ist der Kühlschrank leer oder ein bestimmter Hygieneartikel aus, werde ich diese Käufe natürlich weiterhin erledigen. Wenn etwas kaputt geht, werde ich zunächst gründlich prüfen, ob ich wirklich einen Ersatz benötige. Durch intensive Nachforschungen und mit ein paar Tagen Abstand werde ich zunächst versuchen, die eigentliche Notwendigkeit zu erkennen, und dabei das eigene Ego auszublenden.


Mein Fazit


Schlussendlich habe ich erkannt, wie dankbar ich allein für die Möglichkeit sein muss, auf Konsum verzichten zu dürfen. Denn solch ein #Verzicht kommt nur für diejenigen in Frage, die überhaupt etwas zum Verzichten haben. Es ist ein großes Privileg! Das Feedback auf meinen letzten Post hat mir gezeigt, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin und wie groß das Interesse an diesem Thema ist. Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Beitrag den einen oder anderen #Denkanstoß geliefert habe und möchte euch mit zusätzlichen Informationen bei eurer eigenen #Challenge unterstützen.


Nicht jeder muss sofort mit einem ganzen Jahr Konsumverzicht starten. Überlegt für euch selbst, in welchen Bereichen ihr mehr Bewusstsein erlangen wollt und welcher meiner Gedanken euch am meisten angesprochen hat. Fangt bestenfalls in einem Lebensbereich an, der euch als eine nicht allzu große Herausforderung erscheint. Seht euch nochmal die drei Konsum-Dimensionen an und findet heraus, in welcher ihr selbst etwas verändern möchtet. Stellt klare Regeln auf und sucht Mittel und Wege, diese als neue #Routinen in euer Leben zu integrieren. Setzt euch Ziele und schreibt diese auf!

Wir alle sind Menschen und wir alle haben schwache Momente. Seid nicht zu streng mit euch selbst, wenn ihr doch einmal der Versuchung unterliegt.

Behaltet dieses Verhalten jedoch im Auge und versucht zu verstehen, warum es passiert ist, was es euch gegeben hat und wie ihr beim nächsten Mal stärker sein könnt.


Zu all diesen Punkten habe ich euch eine Vorlage erstellt, die ihr gerne nutzen und hier herunterladen könnt.


Die neueste Podcast-Folge gibt es hier zu Hören.

Podcast Episode 3: Konsumverzicht

Was denkst du über Konsum? Und wärst du bereit dich auf das Experiment "365 Tage Konsumverzicht" einzulassen? Hinterlasse mir gern dein Kommentar - ich freue mich!


Dein Rolf


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